Auf Gott ausgerichtete Wege
Die ersten Gebote richten den Menschen nicht nach außen,
sondern nach oben aus.
Sie schützen die Beziehung zu Gott.
Sie bewahren den Raum,
in dem Vertrauen wachsen kann.
Gott stellt sich dabei nicht in Konkurrenz zu anderen Lebensbereichen.
Er lädt ein,
ihn an die erste Stelle zu setzen –
nicht aus Forderung,
sondern aus Liebe.
Ein Herz mit einem Mittelpunkt
Ein auf Gott ausgerichtetes Leben
sucht seinen Halt nicht in Bildern,
Ideen
oder selbst gemachten Sicherheiten.
Es lernt, Gott selbst zu vertrauen,
nicht dem, was wir uns von ihm machen.
Diese Ausrichtung bewahrt das Herz davor,
sich zu zerstreuen
oder zu verlieren.
Der Name, der trägt
Gottes Name steht für sein Wesen.
Er ist nicht nur eine Bezeichnung,
sondern Offenbarung.
Als Gott sich Mose vorstellte,
gab er keinen Titel
und kein Bild.
Er sagte:
„Ich bin, der ich bin.“
Im Hebräischen:
אֶהְיֶה אֲשֶׁר אֶהְיֶה
(Ehjeh ascher Ehjeh)
Und er offenbarte seinen Namen:
JHWH
Dieser Name ist kein Besitzwort.
Er lässt sich nicht festhalten
und nicht benutzen.
Er sagt:
Ich bin da.
Ich bin gegenwärtig.
Ich bin treu.
Ein Herz mit einem Mittelpunkt
Gottes Name offenbart sein Wesen.
Er bleibt der,
der sich nicht festhalten
und nicht verfügen lässt.
Und doch bleibt er nicht fern.
Der Gott, der sagt:
„Ich bin, der ich bin“,
lädt zugleich in Beziehung.
Er lässt sich ansprechen.
Nicht nur ehrfürchtig,
sondern auch vertraut.
Darum dürfen wir ihn Vater nennen.
Und mehr noch: Abba –
ein Wort der Nähe,
der Geborgenheit
und des Vertrauens.
Diese Anrede hebt die Ehrfurcht nicht auf.
Sie vertieft sie.
Denn wer Gott Abba nennt,
tut das nicht aus Verfügbarkeit,
sondern aus Beziehung.
Den Namen achten
Den Namen Gottes zu achten
bedeutet mehr,
als ihn nicht leichtfertig auszusprechen.
Es bedeutet,
Gott nicht für eigene Zwecke zu benutzen,
nicht zu instrumentalisieren
und nicht über ihn zu verfügen.
Wo der Name Gottes leichtfertig gebraucht wird,
verliert Beziehung ihre Tiefe.
Wo er geachtet wird,
entsteht Raum für Vertrauen,
Ehrfurcht
und Wahrheit.
Ehrfurcht und Nähe
JHWH bleibt der Heilige.
Nicht, weil er fern wäre,
sondern weil sein Name geachtet wurde.
Aus Ehrfurcht vor Gott
verzichtete man darauf,
seinen Namen auszusprechen,
aus Sorge, ihn falsch zu gebrauchen.
Stattdessen wurde Adonai gelesen –
nicht als Ersatz,
sondern als Schutz.
Die Vokale,
die wir aus dem Wort Adonai kennen,
wurden beim Lesen mit dem Gottesnamen JHWH verbunden.
Sie dienten nicht dazu,
den Namen zu verändern,
sondern ihn zu schützen.
Sie sind Ausdruck von Achtung,
nicht von Verheimlichung.
So zeigt sich:
Ehrfurcht bedeutet nicht Distanz.
Sie ist der Raum,
in dem Nähe bewahrt wird.
Und gerade aus dieser Ehrfurcht heraus
dürfen wir Gott
als Vater ansprechen.
